Auf die Plätze/Na mesta

Das Jahr der Kunst im öffentlichen Raum, Kärnten Fokus: Migration
2017 – Leto umetnosti v javnem prostoru, Koroška Žarišče: migracija

Auf die Plätze/Na mesta, so der Titel des Jahres der Kunst im öffentlichen Raum in Kärnten/Koroška, reflektiert die aktuelle Relevanz des physischen öffentlichen Raumes und ist selbst als Aufruf zur Aktion und zum politischen Handeln in der Öffentlichkeit zu verstehen. Zugleich fordert er auf, das Augenmerk lokal auf bereits realisierte Kunstprojekte im öffentlichen Raum zu lenken. In seiner konsequent zweisprachigen Anlage transportiert er auch den gegenwärtigen Disput über die Bedeutung des Slowenischen als weitere Landessprache mit und gibt zugleich Auskunft darüber, welche Rolle Sprache generell in der Konstitution von Öffentlichkeit besitzt. Die Geschichte Kärntens im Umgang mit der slowenischen Bevölkerung ist bestimmt von der kontinuierlichen Verdrängung der Sprache aus dem öffentlichen Raum. Nach dem 2. Weltkrieg wurde als eine der ersten Maßnahmen der zweiten Republik, trotz der staatsvertraglichen Verpflichtung zur Förderung der slowenischen Bevölkerung, der verpflichtende zweisprachige Unterricht an den öffentlichen Schulen abgeschafft und auf eine freiwillige Teilnahme reduziert, die, im Angesicht des enormen Assimilationsdrucks, einem Bekenntniszwang der Slowen_innen in Kärnten gleichkam. Die slowenische Sprache wurde sukzessive aus den Ämtern verbannt und somit einer weiteren zentralen öffentlichen Funktion beraubt. Die Kommunikationssprache des Landes und ihrer Verwaltung war und ist primär die deutsche Sprache und dort, wo das Land glaubt, auch die slowenische verwenden zu wollen, muss diese durch die Hinzuziehung der italienischen legitimiert werden. Somit fehlt diesem von zwei Sprachen geprägten Land jegliche Form des Selbstverständnisses im Umgang mit dem Slowenischen.

Die in diesem Beitrag vorgestellte Image-Serie (Postkarten, Plakate, Social Media) zielt, vor dem Hintergrund dieses historischen Tableaus, darauf ab, beide Sprachen in Gebrauch, in den Dienst der Öffentlichkeit und in den öffentlichen Raum selbst zu bringen.

Andreas Krištof für section.a, Kurator des Schwerpunktjahres, fb/aufdieplätze

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