Endlich auf Kuba

Kuba stand immer an erster Stelle meiner erwünschten Reiseziele. Bevor Fidel Castro stirbt will ich die Insel besuchen, habe ich immer gesagt. Schlussendlich war der Flug gebucht und ein paar Tage später war der Maximo Leader tot. Aber gut, ich freute mich trotzdem unendlich jetzt wirklich nach Kuba zu kommen.

Genaue Vorstellungen vom Land hatte ich keine. Nur vage Ideen waren mir geblieben von den Beschreibungen des Landes, aus Che Guevaras Tagebüchern, die ich mit sechzehn gelesen hatte.

Welche Verheißung, welche Vorstellungen hatten mich also in die Karibik getrieben? Natürlich die weißen Strände, Rum und Buena Vista als romantische Motivation für mein Reiseabenteuer. Und trotzdem war es mehr als das. Es ist die Hoffnung noch etwas kennenzulernen, bevor es nicht mehr da ist. Diese Hoffnung ist es wohl auch, die eine steigende Anzahl westlicher TouristInnen jetzt nach Kuba lockt. Viele tausende BesucherInnen nutzen die neuen Flugverbindungen auf die Insel, um noch einen Blick auf etwas Endendes zu erhaschen.

Alle Hochglanzmagazine hatten das Land als die Hot-Spot-Destination des Jahres beschrieben. Ich war wirklich spät dran, Jay-Z und Beyonce waren schon dort, Obama und die Rolling Stones natürlich auch.

Wenn ich nachdenke, warum ich unbedingt nach Kuba wollte, was meine persönliche Verbindung zu diesem Land war, so liegt es dann doch auf der Hand. Es war, wie wohl auch bei vielen anderen Reisenden, meine politisch linke Orientierung, eine quasi ideologische Nähe die ich zum Land verspürte. Hinzu kamen Diskussionen und Geschichten rund um Sozialismus und Partisanen, die ich als Kind und Jugendliche bei Familiendiskussionen mitverfolgte. Mein Großvater, ein Kärntner Slowene, der im Zweiten Weltkrieg von zu Hause vertrieben wurde, später als Partisan gegen die Nazis kämpfte, hatte oft die Errungenschaften von Tito gepriesen und war zentraler Grundpfeiler meiner Politisierung. Aus ähnlichen Gründen, aus denen ich mich in meinem Studium sowie einem Teil meines professionellen Lebens dem ehemaligen Jugoslawien widmete, hatte ich das Verlangen nach Kuba zu reisen. Mein Opa war auch auf Kuba. Er war in seinem Erwachsenenleben als Bergbauer an der österreichisch-jugoslawischen Grenze fast nirgendwohin gereist, außer nach Kuba.

Also musste ich es auch dorthin schaffen. Und natürlich waren es vor allem Überraschungen die mich erwarteten. Meine Vorstellungen waren trotz der großen Vorfreude undefiniert und unrealistisch gewesen. Es überraschte mich ein Gefühl der Vertrautheit, das ich nach der Landung verspürte, wohl weil ich schon in zwei anderen Ländern in der Region gewesen war. Gleichzeitig überraschte mich der große Unterschied zu diesen Ländern, die sicheren Straßen sowie das weitgehende Ausbleiben von Touristenfallen. Es überraschte mich, wie zerfallen die Straßen und Gebäude Havannas waren. Überraschenderweise buchten wir alles über Airbnb, auch die sind schon auf Kuba angekommen. Und schlussendlich überraschte ich mich selbst dabei, als ich mich nach zwei Wochen über kleine „westliche“ Lokale mit internationaler Küche und Kaffee freute. Ich versuchte diese Überraschungen durch die ausgewählte Reiseliteratur etwas zu reflektieren, erhoffte mir den Wandel der gerade auf Kuba vor sich geht, die Faktoren die ihn beeinflussen, zu verstehen. Und wie ich im Rahmen meines Studiums die politischen und sozialen Transformationen verstanden hatte, gibt es kein Modell dem eine Transformation folgen kann. (M)eine gefährliche Nostalgie gegenüber der alten sozialistischen Diktatur des Landes interessierte mich nicht mehr, ich wollte sehen, wie es hoffentlich klappen wird, Errungenschaften des Systems zu erhalten und sich den Möglichkeiten einer Marktwirtschaft vorsichtig zu öffnen.

Es ist kein Land, das wir sehen wollen bevor es es nicht mehr gibt. Es ist ein Land im Aufbruch und Umbruch, für das wir hoffen, dass es nicht den Gefahren der Transformationen erliegt, sondern auf eine faire, sichere und freie Öffnung blickt. Auf jeden Fall aber werde ich wieder hinfahren. Es wäre schön, wenn in etwa zehn Jahren meine Tochter das Land wiedersieht, in das sie ihre erste große Reise gemacht hat. Jetzt steht Kuba also noch immer ganz oben auf der Reiseliste.

 

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