Drei Erinnerungsorte in den USA

Das „National Museum of African American History and Culture“ in Washington/D.C.

Das National Museum of African American History and Culture das letztes Jahr im September vom damaligen Präsidenten Obama eröffnet wurde, befindet sich direkt an der geschichtsträchtigen National Mall, unweit des Weißen Hauses. Hier haben sich 1963 Hunderttausende zum Marsch auf Washington versammelt und Dr. Martin Luther King Jr. hat hier seine berühmte Rede gehalten. Ein imposanter Bau des britisch-ghanaischen Stararchitekten David Adjaye.

Der Kurator Rex M. Ellis erklärt das „Point-Counterpoint-Prinzip“, das hier eingesetzt wurde, um verschiedene Perspektiven auf ein Thema zu zeigen. Gut sichtbar an dem Kapitel „The Paradoxy of Liberty“, das den Aufbau der Nation nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) zeigt. So wird eine lebensgroße Statue des dritten amerikanischen Präsidenten, Verfassers der Unabhängigkeitserklärung und Sklavenbesitzers Thomas Jefferson mehreren lebensgroßen Statuen von Schwarzen Frauen und Männern gegenübergestellt, die zu jener Zeit Großes geleistet haben: wie der Poetin Phillis Wheathley oder dem Mathematiker, Astronom und Abolitionist Benjamin Banneker, der als erster afroamerikanischer Wissenschafter gilt. Oder Elizabeth Freeman, die als eine der ersten Sklav_innen ein Gerichtsverfahren gegen ihre Versklavung angestrengt hat und dieses 1781 auch gewann. Zudem sind die Namen der 609 Versklavten, die Jefferson „besaß“, auf 609 Ziegelsteinen eingebrannt und in der Ausstellung zu sehen. Hier wird der Widerspruch, auf dem die amerikanische Gesellschaft fußt, besonders deutlich: einerseits besagt die neue Verfassung, dass alle Menschen gleich sind, andererseits sind zwar auch versklavte Menschen Teil dieses neuen Staates, aber den weißen Bürger_innen nicht gleichgestellt. Und auch die Rolle der neuen Hauptstadt Washington D.C. wird thematisiert: „The seat of the democracy was located deep within slaveholding territory. Slavery was an everyday part of functioning of the national government.“

Das Holocoust-Memorial in Charleston/South Carolina

Im „Marion Square“-Park in Charleston befindet sich das Holocoust-Memorial. Auf dessen Tafeln sind die Namen jener eingraviert, die während der Zeit des Nationalsozialismus nach South Carolina geflüchtet sind. Unter ihnen das Ehepaar Max und Trude Heller aus Wien, das 1938 nach South Carolina kam. Max Heller war zwischen 1971-1979 Bürgermeister von Greenville, einer Stadt nordwestlich von Charleston. Ebenso das Ehepaar Arthur und Irene Fuerst aus Salzburg.

 

Das „Black Police Precinct Courthouse and Museum“ in Miami /Florida

In Overtown, dem ältesten afroamerikanischen Viertel Miamis, befand sich einst die erste Schwarze Polizeistation der USA, die jetzt das „Black Police Precinct Courthouse and Museum“ beherbergt. Archie McKey, ein über 90jähriger ehemaliger Police-Officer führt durch das Museum und erzählt dessen Geschichte. Man erfährt, dass es bereits in den 1930er Jahren Bestrebungen für ein Schwarzes Polizeikommissariat in Miami gegeben hat. Realisiert wurde es dann aber erst 1950. Die ersten afroamerikanischen Polizisten (The First Five) wurden jedoch von den Weißen nicht anerkannt. „There was so much resistance from Whites that the training of the Black officers was achieved under extreme secrecy.” (…) „The patrolmen were allowed to arrest only African Americans, and had no authority over Whites. There was no job security or retirement benefits, as the patrolmen were not classified as civil service personnel like their White counterparts.“ Sie standen oft dazwischen, da sie von ihrer eigenen Community als „Uncle Toms“, als Verräter, angesehen wurden, erzählt Archie. Und er erzählt auch von den rassistischen Strukturen innerhalb der Polizei und verweist auf ein Foto aus dem Jahr 1925, das KuKluxKlan-Mitglieder bei einem Begräbniszug eines verstorbenen weißen Kollegen zeigt. Gut hingegen waren die Beziehungen zu den jüdischen Kollegen. Auch sie waren eine stark diskriminierte Gruppe in Miami. Juden und Jüdinnen wurden unter anderem bis in die 1950er Jahren der Zutritt zu Hotels und Clubs verwehrt.

 

 

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[1] Cornelia Kogoj besuchte gemeinsam mit Christian Kravagna im Rahmen einer Forschungreise zu „Museen und Minderheiten“ vom 29.1. – 15.2.2017 die USA. Bereits im Jahr 2015 waren sie vier Monate in Florida, Texas, Louisiana, Tennessee, Alabama, Georgia, Chicago, Washington D.C. und New York unterwegs.

Siehe auch Blogbeitrag: Im amerikanischen Süden. Das River Road African American Museum in Donaldsonville, Louisiana

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