In Atelier, Manege, Hackerspace zuhause

Welches Jugendbuch schafft den Bechdel-Test? Welche Frauenfigur ist im Bilderbuch besonders beweglich? Und welches Bilderbuch fördert Gesprächsanlässe über Frauenrechte?
Anlässlich des Internationalen Frauen-Mädchenkampf-Tages empfehlen vier Kinder- und Jugendbuchexpertinnen ihre feministischen Favourites.

 

Martina Reiter (Zeit Punkt Lesen):

In „Manege frei für Olivia“ von Ian Falconer haben alle Zirkusleute Mittelohrentzündung und Olivia springt ein. Im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich u.a. als „Königin des Trampolins“.
Warum mich Olivia so beeindruckt? Weil sie selbstbestimmt und selbstbewusst ihren Weg geht, ihr Anderssein bewusst lebt und dabei viel Spaß hat. Und über ihrem Bett hängt ein Bild der amerikanischen Frauenrechtlerin Anna Eleanor Roosevelt (1884–1962). Dieser Gesprächanlass über den zähen Kampf der Frauen für die Rechte, die wir heute haben, ist noch ein weiterer Grund für die Empfehlung dieses Buches.

Ian Falconer: Manege frei für Olivia. Aus dem Amerikanischen von Monika Osberghaus. Oetinger 2002.

 

 

Silke Rabus (Journalistin, Lektorin, Biografin, www.rabus.at):

Einar Turkowskis „Nachtwanderin“ ist eigensinnig, kreativ und undurchschaubar. Nacht für Nacht streift sie durch die Straßen der Stadt und hinterlässt merkwürdige Zeichen, während ihr einige Kinder wie verzaubert folgen. Madame Merlot geht neue Wege, sie hinterlässt Spuren, sie hat ein Ziel vor Augen. Und sie verändert den Blick auf die Welt. Am liebsten möchte man ihr folgen: Seite für Seite durch das prachtvoll aufgemachte Bilderbuch mit seinen filigranen Bleistiftzeichnungen. Vor allem aber im echten Leben.

Einar Turkowski: Die Nachtwanderin. Mixtvision 2015.

 

 

Christina Ulm (www.stube.at)

Klar, kriegt hier jede am Ende ihren Prinzen. Und klar, werden auf dem Weg dorthin auch Stereotype gepflegt. Und trotzdem: Dieses Science-Fiction-Märchen-Mash-Up präsentiert in vier Bänden vier starke Frauenfiguren – Cinder (ein Aschenputtel-Cyborg und beste Mechanikerin in Neu-Peking), Scarlet („Rotkäppchen“ und Herrin mutierter Wolfsmänner), Cress (langhaarige Hackerin im Satelliten-Turm) und Winter (ein dunkelhäutiges Schneewittchen mit eigener Menagerie). Gemeinsam führen sie durch den spannenden Plot, retten die futuristische, von Diversität geprägte Welt und schaffen noch dazu den Bechdel-Test mit links. Und das ist in diesem derzeit so populären Unterhaltungsgenre doch schon mal was.

Marissa Meyer: Die Luna-Chroniken 1-4. Aus dem Engl. v. Astrid Becker. Carlsen ab 2015.

 

Andrea Kromoser (Literaturvermittlerin, Familienlektüre)

Annemarie van Haeringen widmet ihre illustrierte Biografie einer Frau, die Großes geschaffen hat, sowohl im Hinblick auf Unternehmerinnenschaft, Modegeschichte als auch auf Bewegungsfreiheiten bzw. Ausdrucksmöglichkeiten von Frauen. Die großartigen Illustrationen transferieren Gabrielle Chanels Persönlichkeit ins Jetzt und präsentieren eine sympathische Bilderbuchprotagonistin. Fast nebenbei zeigt van Haeringen die Modeschöpferin in historisch tradierten Posen bzw. Situationen. (Vor)Lesevergnügen garantiert!

Annemarie van Haeringen: Coco und das „Kleine Schwarze“. Aus dem Niederl. v. Marianne Holberg. Freies Geistesleben 2014.

 

 

 

 

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