Wo Fekters Rede für Frauenquoten diskriminiert

Letzte Woche wurde im Nationalrat über die Frauenquote diskutiert. In einer Brandrede setzte sich die ÖVP-Politikerin und „Quotenfrau“ (Selbstdefinition) Maria Fekter für Frauenquoten ein. Sie erzählte, wie sie als junge Politikerin in den 1980er Jahren gegen Frauenquoten war und hielt dann in Richtung der Neos-Politikerin Claudia Gamon, die gegen Frauenquoten eintritt, fest: „Und drum verzeih ich’s der Kollegin Gamon und ihrer Jugend, dass sie auch glaubt, die Damen und Frauen schaffen alles, schaffen alles und man muss sie nicht unterstützen.“

Jetzt mag mensch von Claudia Gamons Meinung halten, was mensch will. Einer 28-jährigen Politikerin aufgrund ihres jungen Alters ihre Kompetenz und Meinung abzusprechen, ist diskriminierend. Und das ist kein Einzelfall, sondern passiert z.B. auch auf der Uni, wenn der Professor mit einem süffisanten Lächeln zum Studenten, der grad seine Meinung geäußert hat, sagt: „Lieb, aber naiv und falsch.“

Adultismus: „Dazu bist du noch zu jung“

Diese Form der Altersdiskriminierung, in der jungen und jüngeren Menschen ihre Kompetenz aufgrund des Alters abgesprochen wird, nennt sich Adultismus. Die zweite Seite dieser Altersdiskriminierungsform, in der älteren und alten Menschen ihre Kompetenzen abgesprochen werden, heißt Ageismus.

Adultismus befasst sich in erster Linie mit der Diskriminierung gegenüber Kindern und Jugendlichen. Auch ein gut gemeintes Lob wie „Du bist schon so erwachsen“ schlägt in diese Kerbe. Ziel muss also sein, sich als Erwachsene_r dieser Altersdiskriminierungsform bewusst zu werden und Kindern z.B. zu erklären, warum sie etwas (nicht) tun sollen. „Warte bis du älter bist!“, ist hingegen keine adäquate Reaktion.

“Age discrimination” by Social Innovation Camp is licensed under CC BY 2.0

Agiere ich selbst adultistisch?

Diskriminierung aufgrund des Alters ist ein Verhältnis von Machtungleichheit, in dem wir alle im Laufe unseres Lebens die Seite wechseln. Zuerst als Kind auf Seiten der Minderheit, später in einer Machtposition, und am Lebensende wieder als Minderheit. ManuEla Ritz arbeitet viel dazu und hält auch fest, wie die erwachsene Welt als Norm(alität) wahrgenommen wird. Das führt bei allen zu einer Verinnerlichung dieser Machtstrukturen. So versuchen auch jüngere Erwachsenen, die noch Erfahrungen in Form von Lebenszeit sammeln sollen (egal ob als Wissen zur Frauenquote oder irgendwo am Arbeitsplatz), „erwachsenenadäquat“ zu agieren.

Das Schweizer NCBI hat einen Selbsttest zu Adultismus veröffentlicht, der einen ersten Einblick gibt, wie tief diese Form der Diskriminierung in uns allen drinsteckt. Probiert es aus und findet heraus, wie sehr ihr adultistisch denkt!

Übrigens: Bei Radio Stimme, der Sendung der Initiative Minderheiten, ist ein ausführlicher Beitrag zu „Adultismus“ in Planung. Geplanter Ausstrahlungstermin: irgendwann im Herbst/Winter 2017.

Bildquelle: “Age discrimination” by Social Innovation Camp is licensed under CC BY 2.0

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