Zeitreise ins Mostviertel

Ich hätte nicht erwartet, dass es so lehrhaft ist“, kommentierte der Mann neben mir die Ausstellung, als er sie gemeinsam mit seiner Begleiterin verließ. Ob er damit „lehrreich“ oder „belehrend“ meint, bleibt unbeantwortet. Denn beides könnte auf die Ausstellung „Die 70er – Damals war Zukunft“ in der Schallaburg zutreffen.

95% der Besucher_innen an diesem verregneten Sonntag im August haben die 70er als Teens und Twens erlebt. Ihre Gespräche lassen darauf schließen, dass sie auf die Schallaburg gekommen waren, um – umgeben von bunten Mustern und alten Haushalts-Must-Haves – in Erinnerungen zu schwelgen. Auch diese Erwartungen werden „am laufenden Band“ erfüllt. Die Ausstellung leistet aber weit mehr, wie die Gestalter_innen im Video der Schallaburg erzählen:

 

Was Besucher_innen erwartet:

Politische Ambitionen

Sieben inhaltliche Kapitel umgeben von einer visuellen Ouvertüre und einer akustischen Disco am Ende laden zu einem Rundgang durch die 70er Jahre ein:

  1. Alles muss sich ändern! Bewegungen, Revolten, Widerstand
  2. Arbeit und Bildung für alle! Versprechen und Brüche im Wohlfahrtstaat
  3. Liberté, Egalité, Pfefferminztee! Alltag und Medien
  4. Nur die Freiheit stillt den Durst! Kalte und heiße Kriege
  5. Macht kaputt, was euch kaputt macht! Umkämpfte Vergangenheit
  6. Das Private ist politisch, das Politische ist privat! Alternativ leben
  7. Museum für alle! Ausstellungsutopien und das Museum der Zukunft

In jedem Kapitel wird auch mit Ausstellungsstücken auf heute Bezug genommen. Da kann es schon vorkommen, dass die Besucher_in auf einem Ausstellungsstück – wie z.B. auf einem Flyer für das Freiräumchen der Rosa Lila Villa – die Studienkollegin aus den 2000er Jahren entdeckt.

Liebe zum Detail

Jedes Kapitel hat seine Kennfarbe, die sich nicht nur an den Wänden, sondern auch in der Markierung der Ausstellungsstücke zeigt. Statt einfacher Nummern kommen dazu Ansteck-Buttons in der jeweiligen Farbe zum Einsatz, die den Link zu den Hintergrundsinfos bilden – sei es nun zu einem Modell der „Stadt des Kindes“ oder zum „Club 2“ mit Nina Hagen.

Interaktives Raumkonzept

zwei Sticker aus der AusstellungDiejenigen, die sich gern über das Gesehene während der Ausstellung austauschen wollen, können es Nina Hagen gleich tun und im Set des „Club 2“ Platz nehmen. Es ist einer von mehreren Debattenräumen, die direkt in die Ausstellung eingebunden sind. Beim verregneten Sonntagsbesuch wurden die Besucher_innen im Rahmen der großen Rundgänge an diesen Räumen eher verbeigeschleust. So bleibt für Einzelpersonen Zeit für eine kurze Verschnaufpause, bevor es zum nächsten Kapitel weitergeht.

Am Ende eines jeden Kapitels kann sich die Besucher_in außerdem Sticker mit politischen Botschaften mitnehmen. Botschaften, die heute genauso wie damals, aufgeklebt werden können. Damit schaffen die Ausstellungsgestalter_innen nicht nur eine inhaltliche sondern auch eine physische Klammer ins Heute.

Die Ausstellung „Die 70er – Damals war Zukunft“ ist noch bis 6. November 2016 in der Schallaburg zu sehen. Nähere Informationen zum Rahmenprogramm, den Öffnungszeiten und der Anreise gibt’s auf www.schallaburg.at.

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