Hakenkreuzschmierereien auf Portraits von Überlebenden der NS-Verfolgung am Ring in Wien

Teile der Ausstellung GEGEN DAS VERGESSEN wurden mit Hakenkreuzen beschmiert. Das Psychosoziale Zentrum ESRA hat diese Ausstellung des Künstlers Luigi Toscano nach Wien gebracht. Nun wurde diese sensible-künstlerische Erinnerung an die Shoah beschädigt.

Luigi Toscanos Fotos der Überlebenden der Shoah ist am 7. Mai unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen feierlich durch den Bundespräsidenten in Wien eröffnet worden. Es ist eine beeindruckende Ausstellung von Gesichtern von Menschen, die Verfolgung, Folter und Flucht erleben mussten und sich nun für dieses Projekt zur Verfügung stellten. Wenn man in die Gesichter der Verfolgten blickt, spürt man Mahnung. Das oft beschworene „Niemals wieder“ gewinnt durch die einzelnen Menschen, denen man in die Augen schaut eine starke und konkrete Bedeutung.

Bereits einige Tage nach der Ausstellungseröffnung wurden mehrere Portraits mit Messern beschädigt. Am 21. Mai am Nachmittag wurden mehrere Tafeln u.A. mit Hakenkreuzen beschmiert. Wir, das Team des psychosozialen Zentrums ESRA, das seit 25 Jahren Überlebende der NS-Verfolgung und andere traumatisierte Menschen betreut und behandelt, ist über diesen antisemitischen und respektlosen Akt der Zerstörung empört.

Es zeigt Respektlosigkeit vor Kunst und es zeigt vor allem Respektlosigkeit vor den portraitierten Menschen. Vor Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Menschen, die unsere Unterstützung und unsere Empathie verdienen.

Wir hoffen auf Aufklärung und dass der/die Täter ausgeforscht werden. Abgesehen von einer Bestrafung sehen wir es als unerlässlich, solchen Menschen die Geschichte zu erklären. Welches Leid das NS-Regime, seine Anhänger und Mitläufer über Millionen von Menschen brachte. Leid, das oft die betroffenen Menschen bis an ihr Lebensende begleitet.

Wer diesen Teil der österreichischen und europäischen Geschichte nicht verstanden hat, läuft Gefahr heutigen totalitär und menschenverachtend denkenden und skrupellosen PolitikerInnen zu erliegen.

So betroffen dieser Vorfall macht, so sehr gibt es Hoffnung. ESRA, der Künstler Luigi Toscano und damit das Anliegen der Ausstellung hat eine Welle der Solidarität erfahren. Über Social Media, in Telefonaten und Mails wurde Betroffenheit und auch Unterstützung eindrucksvoll ausgedrückt.

Die Ausstellung ist noch bis 31. Mai 2019 am Burgring, entlang des Zauns zum Heldenplatz zu sehen.

Peter Schwarz ist Geschäftsführer von ESRA und im Vorstand der Initiative Minderheiten.

Fotos: Mirko Malik

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