20 Jahre edition exil und exil Literaturpreise

exil-Literaturpreise_2016

Eine Hommage, verbunden mit der Hoffnung auf weitere 20 Jahre

Das Jahr 2017 sollte Anlass zum Feiern sein für das Projekt der exil-Literaturpreise, werden sie doch zum 20. Mal ausgeschrieben und verliehen und können somit auf zwei Jahrzehnte Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die edition exil und ihre Preise stehen für ein Verständnis für Literatur, die von politischem Engagement für eine offene, mehrsprachige und solidarische Gesellschaft nicht zu trennen ist, für eine Gesellschaft, die von Diversität und Akzeptanz dieser Diversität geprägt ist.
Christa Stippinger ist es gelungen, zwei Jahrzehnte lang Fördergeber für dieses Projekt zu finden, und es ist, wenn wir uns umsehen, nicht selbstverständlich, dass es so bleibt. Denn von Deutschkursen und Sprachenlernen als Mittel der zwangsverordneten Affirmation will dieses Projekt nichts wissen, ganz im Gegenteil: Spracherwerb als Ermächtigung, als Mittel zur öffentlichen Artikulation von Minderheitenerfahrungen stehen hier im Vordergrund.

Wie soviele für die Wiener Sub- und Minderheitenkultur wichtige Initiativen hat auch die edition exil und mit ihr die exil Literaturpreise im Amerlinghaus der frühen 80er Jahren ihren Ausgang genommen. Aus den Schreibwerkstätten, die Christa Stippinger hier abhielt, wurden 1995/96 Schreib-Arbeitstreffen für Autor_innen mit Migrationshintergrund bzw. nicht-deutscher Erstsprache. Und was wäre geeigneter als ein Literaturpreis und damit einhergehend die Publikation der prämierten Beiträge, um diesen neuen, aufregenden Texten mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen? Und so rief Christa Stippinger, damals noch ohne Förderzusagen oder Verlagsinfrastruktur, beides ins Leben. Das Interesse war überwältigend: Bereits im Gründungsjahr 1997 gab es 70 Einreichungen, die ersten Bücher konnten erscheinen, heute sind es meist um die 230 bis 250 Einreichungen und 4-6 Publikationen im Jahr.

Ebenfalls seit 1997 gibt es auch die Schreib- bzw. Autor_innenwerkstatt des vereins exil für Preisträgerinnen und Preisträger, in denen weitergeschrieben und gearbeitet wird. Erfolgreiche Autor_innen wie Dimitré Dinev, Julya Rabinowich, Seher Cakir, Susanne Gregor und viele andere, mit deren Stimmen sich die österreichische Literatur heute gerne schmückt, sind aus diesen Schreibwerkstätten hervorgegangen, für viele von ihnen war der exil Literaturpreis die erste Anerkennung ihrer Versuche, sich die sperrige deutsche Sprache anzueignen und für ihre Migrationserfahrungen gefügig zu machen. Spannend wird es immer dort, sagt Christa Stippinger noch heute, „wo die Muttersprache im Hintergrund sozusagen noch mitschreibt und wo die Autor_innen mit ihrem Schreiben die deutsche Sprache verwandeln“. Zeitgenössischer machen, widersprüchlicher, rauher, den holprigen Realitäten der Migrationsgesellschaft besser entsprechend – könnte man auch sagen.

Damit es in den Publikationen der Preistexte nicht nur um literarische Entdeckungen geht, sondern immer auch um den Kontext, in dem sie entstanden sind, werden die Texte von Interviews begleitet. „Deshalb“, sagt Christa Stippinger, „sind mir auch die Interviews mit den Preisträger_innen in den Anthologien so wichtig. Ich will nicht nur wie eine Literaturzeitschrift einen Literaturtext nach dem anderen hineinstellen –  kommentarlos –, sondern auch Fragen an die Schreibenden stellen. Woher kommen sie? Warum sind sie hierhergekommen? Wie hat man sie hier aufgenommen? Wie sind sie mit dem Kulturbruch fertig geworden? Und was bedeutet ihnen das Schreiben?“

Eine politische Veränderung Richtung Rechtspopulismus in Österreich, oder auch in Wien, wie wir derzeit so viele miterleben müssen, kann das Ende auch dieser engagierten Kulturarbeit bedeuten.

Christia Stippinger – edition exil

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