MY EYES ON: … “Heimkehr” von Toni Morrison

Die Verhandlungen von Präsident Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un haben wieder in Erinnerung gerufen, dass der Koreakrieg nach 66 Jahren Waffenstillstand noch immer nicht durch einen Friedensvertrag beendet wurde.

Im Koreakrieg sowie in den Jahren nach dem Krieg, in den USA der 1950er Jahre, ist der Roman „Heimkehr“ von Toni Morrison angesiedelt. Der Afroamerikaner Frank Money, der als einziger von drei Freiwilligen aus seinem Heimatort in Georgia überlebt hat, kehrt als gebrochener Mann zurück. Die schrecklichen Erlebnisse des Krieges verfolgen ihn, aber auch die Heimkehr bringt keinen Frieden. Zu groß ist die Angst, wieder dem Rassismus des Südens der Jim-Crow-Ära ausgesetzt zu sein. So irrt Frank Money ziellos in Seattle umher, bis ihn die Nachricht ereilt, dass seine Schwester Cee schwer erkrankt sei. Er fährt in seinen verhassten Heimatort Lotus in Georgia zurück.

Toni Morrison hat den Koreakrieg nicht zufällig als Referenzrahmen ihres Buches gewählt. Dieser Krieg war der erste, in dem die Segregation in der US-Armee offiziell aufgehoben wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Präsident Truman mit der Executive Order Nr. 9981 die Gleichstellung aller Soldaten im Heer geregelt. Dieser Erlass, aber vor allem die aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zurückgekehrten afroamerikanischen Veteranen, gaben wichtige Impulse für die Bürgerrechtsbewegung. Afroamerikaner_innen waren nicht mehr gewillt, in Europa für Demokratie und gegen Faschismus zu kämpfen und im eigenen Land dem Rassismus ausgesetzt zu sein. Der Pittsburgh Courier lancierte im Jahr 1942 die „Double V“- Kampagne: „Victory Abroad and Victory at Home“.[1] Selbst das Tragen der Armeeuniform „beschützte“ Schwarze Soldaten nicht vor rassistischen Angriffen. Nach dem Ersten Weltkrieg war dies sogar Anlass für eine Serie brutaler Lynchmorde. W.E.B. Du Bois brachte die doppelte Herausforderung auf den Punkt, wenn er schrieb: „We return. We return from fighting. We return fighting.“[2]

Trotz der grausamen Realität dieser rassistischen Gesellschaft hat die Literaturnobelpreisträgerin ein versöhnliches Ende für ihre Protagonist_innen vorgesehen. Frank Money kann seine Schwester retten und sich mit seiner Schwarzen Identität versöhnen. „Seit 1949 war Frank nicht mehr im Staub dieser Straße gegangen, hatte seinen Fuß auf keines der Holzbretter gesetzt, die die ausgewaschenen Rinnen überbrückten. Es gab keinen Bürgersteig, aber alle angrenzenden Gärten prunkten mit Blütenpflanzen, die die Gemüsebeete vor Schädlingen und Krankheiten schützen sollten – Kapuzinerkresse, Dahlien, Ringelblumen“, heißt es im letzten Kapitel des Buches. Obwohl diesen Bildern in vielen Buchbesprechungen oft der politische Charakter abgesprochen wird, ist hier – wenn auch etwas verschlüsselt – eine Anklage gegen das weiße Amerika zu lesen. Denn mit „Schädlingen und Krankheiten“ ist wohl der unerbittliche Rassismus gemeint, gegen den sich die Afroamerikaner_innen in jener Zeit zum Widerstand organisierten und der in weiterer Folge in die Bürgerrechtsbewegung mündete.

Toni Morrison, Heimkehr. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2015

[1] Vgl. Cornelia Kogoj, Christian Kravagna, Das amerikanische Museum. Sklaverei, Schwarze Geschichte und der Kampf um Gerechtigkeit, Wien: Mandelbaum Verlag, S. 209. (erscheint in Kürze)
[2] W. E. B. Du Bois, »Returning Soldiers«, The Crisis, 18, Mai 1919, S. 13. Zit. nach: Chad Williams »African Americans and World War I«. http://exhibitions.nypl.org/africanaage/essay-world-war-i.html.

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