Verbunden mit der Initiative Minderheiten: der Asylexperte Herbert Langthaler

Diese Woche in unserer Serie “Verbunden mit der Initiative Minderheiten”: Herbert Langthaler, der seit über 30 Jahren für Menschen auf der Flucht arbeitet und einer der wichtigsten Kenner des österreichischen Asylsystems ist. Mit Herbert verbindet uns eine jahrelange Zusammenarbeit an Bildungsmentoring-Projekte für Geflüchtete.

Foto: privat

Was hat Dich rund um das Jahr 1991 politisch bewegt?

1991 ist nicht nur das Gründungsjahr der Initiative Minderheiten, sondern auch der asylkoordination österreich. Ich war an diesem Gründungsprozess unmittelbar beteiligt. Ich hatte die Kämpfe um die Rechte von Flüchtlingen und um das Asylgesetz 1991 als Journalist begleitet und wechselte in diesem Jahr immer mehr auf die Seite des politischen Aktivismus.

Ich kann mich noch gut an einen Spaziergang in der Prater Hauptallee erinnern, während dem ich mit einem Studienkollegen erörterte, ob wir dem österreichischen Ableger einer Organisation, die sich der Bewahrung „bedrohter Völker“ annimmt, nähertreten sollten. Uns störte allerdings ihre mangelnde kritische Distanz zu einem überkommenen Volkstumsbegriff. Mein Kollege erwähnte dabei, dass ihm von einer Bekannten zu Ohren gekommen wäre, dass sie an der Vorbereitung zur Gründung einer Organisation mit einem umfassenden Minderheitenbegriff beteiligt wäre… Gemeint war Ursula Hemetek, die Organisation war die Initiative Minderheiten.

Wer hat Dich politisch am meisten geprägt?

Wahrscheinlich die radikalen US-amerikanischen Anti-Vietnam Aktivist*innen rund um die Youth International Party wie Abbie Hoffman und Jerry Rubin.

Welche sind für Dich die wichtigsten (minderheiten-) politischen Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre?

Wohl die positivste Entwicklung scheint mir im Bereich der LGBTIQ stattgefunden zu haben und zwar sowohl auf rechtlicher Ebene als auch im Bereich des politischen Diskurses. In vielen anderen Feldern gab es Fortschritte aber auch Rückschläge. Fortschritte gab es vor allem auf rechtlicher Ebene, auch dank der EU-Vorgaben, die Diskriminierungen auf Grund von Zugehörigkeit zu ethnischen oder sozialen Minderheiten verhindern sollten.

Was beschäftigt Dich heute?

Sowohl die Verschärfungen der EU-Außengrenzen-Kontrollen gegen Geflüchtete als auch die fortgesetzten rassistischen Angriffe gegen Menschen afghanischer Herkunft halten mich politisch auf Trab.

Was charakterisiert für Dich die Initiative Minderheiten und was möchtest du uns zum Geburtstag mitgeben?

Der breite und umfassende Minderheitenbegriff der Initiative Minderheiten ist wohl einzigartig und vor allem in einer Zeit der fortschreitenden Abgrenzung und Hierarchisierung von Opferstatus beispielhaft. Zum Geburtstag bedanke ich mich für viele Jahre der Zusammenarbeit und wünsche der IM, dass sie sich durch die erfolgreiche eigene Arbeit unnötig macht, weil Minderheiten die Mehrheit sind.


Herbert Langthaler, Mitbegründer der asylkoordination österreich. Dort zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und Schulworkshops. Zudem Chefredakteur der Vereinszeitschrift asyl aktuell. Unter anderem zahlreiche Radiobeiträge für verschiedene Sendungen des ORF. Von 1999 bis 2009 Trainer des „Interkultur-Tandem“ im Rahmen des Lehrgangs „Polizeiliches Handeln in einer Multikulturellen Gesellschaft“. Lehraufträge an den Universitäten Wien und Klagenfurt.

 

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