Verbunden mit der Initiative Minderheiten: Manuela Horvath, Roma-Aktivistin aus Oberwart

Heute in unserer Jubiläumsreihe die Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt, Gemeinderätin in Oberwart und Mitglied im Volksgruppenbeirat der Roma, Manuela Horvath, mit der wir im Rahmen der Ausstellung Romane Thana. Orte der Roma und Sinti sowie in unterschiedlichen Bildungsprojekten zusammengearbeitet haben.

Urlaub in Klagenfurt, 1992. Foto: privat

Was hat Dich rund um das Jahr 1991 politisch bewegt?

Ich wurde 1985 geboren, also war ich im Jahr 1991 erst sechs Jahre alt. Dass mich in diesen jungen Jahren tatsächlich etwas politisch bewegt hat, kann ich mir schwer vorstellen. Damals hatten wir nur einen Fernseher zu Hause und abends wurde immer Burgenland heute und anschließend Zeit im Bild geschaut. Mein Opa erklärte mir ab und zu, worüber in den Nachrichten gesprochen wurde. Mir wurde aber schnell langweilig und ich habe mich dann doch lieber mit meinen Puppen beschäftigt. Allerdings weiß ich, dass ich alle Politiker der Bundesregierung aufzählen konnte. Und das noch bevor ich lesen und schreiben gelernt hatte. Eine Zeitlang dachte ich deshalb, nur Männer könnten Politiker werden.

Wer hat Dich politisch am meisten geprägt?

Politisch geprägt wurde ich mit Sicherheit durch meinen Opa. Einerseits weil wir gemeinsam Nachrichten im Fernsehen geschaut haben und andererseits – und das war wohl das prägendste überhaupt – sprach mein Opa immer von der Zeit des Nationalsozialismus und von seiner Zeit in den Konzentrationslagern. Er sprach auch von der Zeit vor dem NS-Regime und davon, wie Roma und Juden von Oberwart deportiert wurden. Er erzählte von dem Hass und dem Unrecht, der Roma und Juden widerfahren ist und wie sein Leben aussah, als er vom Konzentrationslager wieder nach Hause kam.

Welche sind für Dich die wichtigsten (minderheiten-)politischen Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre?

Die Anerkennung der Roma als sechste österreichische Volksgruppe im Jahr 1993 war ein Umbruch und Aufbruch, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann. Jahre davor wurde der erste Roma-Verein Österreichs in Oberwart gegründet. Mein Papa nahm mich immer überall mit hin. Im Dorfgasthaus spielte ich mit anderen Roma-Kindern, während die Erwachsenen energisch diskutierten. Auch wenn ich damals nicht ganz verstand, worum es in den Gesprächen über die Volksgruppenanerkennung ging, wurde immer wieder gesagt, das sei nötig, damit es unsere Generation einmal besser hat.

Ebenso eine prägende Zeit war die Errichtung des Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus im Jahr 1995. Ob es tatsächlich 1995 oder später war, weiß ich jetzt nicht mehr, doch ein Mitarbeiter des Nationalfonds – oder des Sozialministeriums – war damals bei uns in Oberwart und erklärte den KZ-Überlebenden, was zu tun war. Dieser Mann – selbst ein Rom –war oft bei uns zum Mittagessen

Längst überfällig war auch die Verabschiedung des Gesetzes zur gleichgeschlechtlichen Ehe.

Was beschäftigt Dich heute?

Viel zu viel! Ich wünsche mich zurück in das Jahr 1991! Einige davon sind der nach wie vor vorherrschende Rassismus in unserem Land und auf der ganzen Welt, die weltweiten Terrorakte, die aktuelle Regierungskrise in Österreich und die Corona-Pandemie.

Was charakterisiert für Dich die Initiative Minderheiten und was möchtest du uns zum Geburtstag mitgeben?

Nun ja, durch ein Projekt der Initiative Minderheiten fand ich vor fast zehn Jahren zur Volksgruppenarbeit. Darüber bin ich heute sehr froh. Für mich charakterisiert die Initiative Minderheiten die unterschiedliche Herangehensweise und Auseinandersetzung mit Themenfeldern, die Minderheiten unseres Landes betreffen und dass sie diese Themen für die Mehrheit zugänglich macht. Ich wünsche der Initiative Minderheiten viel Durchhaltevermögen und weitere spannende Projekte, die hoffentlich zu einem toleranteren und friedlicheren Leben in unserem Land führen.


Manuela Horvath, Volksgruppenangehörige der Burgenland Roma, leitet in der Diözese Eisenstadt das Referat der Romapastoral. Sie ist Mitglied im Volksgruppenbeirat der Roma des Bundeskanzleramtes und Gemeinderätin in ihrer Heimatgemeinde Oberwart. Horvath engagiert sich in unterschiedlichen Projekten für die Volksgruppe der Roma, fungiert bei Gedenkfeiern für Holocaustopfer als Gedenkrednerin und betätigt sich seit einigen Jahren künstlerisch.

 

 

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