Verbunden mit der Initiative Minderheiten: Sushila Mesquita, ehemaliges Vorstandsmitglied

Heute in unserer Jubiläumsreihe: Sushila Mesquita, Vorstandsmitglied von 2010 bis 2017. Gerd Valchars hat mit Sushila unter anderem über die prägenden Ereignissen der letzten 30 Jahre gesprochen.

Im Gründungsjahr der Initiative Minderheiten 1991 war Sushila Mesquita 16. Politisch aktiv war Sushila damals noch nicht, aber die 1990er Jahre waren eine bewegte und bewegende Zeit. Das Lichtermeer und das rassistische „Ausländervolksbegehren“ der FPÖ 1993, die tödlichen Bombenanschläge gegen Roma in Oberwart 1995 und die Kriege des auseinanderbrechenden Jugoslawiens sind Sushila rückblickend am deutlichsten und prägendsten in Erinnerung. Das Studium an der Uni lieferte später das theoretische Werkzeug für jene Erfahrungen mit Rassismus und Heteronormativität, die Sushila gemacht hatte, noch lange Zeit bevor sie Sushila als solche hätte benennen können. Die Uni war es schließlich auch, über die Sushila 2004, in der Zeit von Schwarz-Blau, den Weg zur Initiative Minderheiten gefunden hatte.

Was konnte in den letzten 30 Jahren erreicht werden? Da wird Sushila Mesquita unrund: Natürlich gebe es wichtige Fortschritte, zum Beispiel bei der Antidiskriminierung. Aber rechtliche Errungenschaften seien eben nicht alles, und die Ebene der Repräsentation hinke noch deutlich hintennach. Ungeduldig beobachtet Sushila auch die Reaktion der Mehrheitsgesellschaft auf die gerade stark präsente Black Lives Matter-Bewegung: Die plötzliche Sichtbarkeit sei natürlich toll, aber die Kritik und die Forderungen liegen seit Jahrzehnten am Tisch. Einmal mehr bestehe die Gefahr, dass nach einem kurzen Aufflackern des Interesses die Maßnahmen erneut bloß oberflächlich und die Strukturen letztlich unverändert bleiben.

Die Initiative Minderheiten findet Sushila auch heute noch „super wichtig“, weil sie die Bewegungsgeschichten sichtbar macht und miteinander verknüpft und sich dadurch erst minoritäre Allianzen bilden lassen und alle voneinander lernen können.

 

Dr.x Sushila Mesquita ist am Referat für Genderforschung der Universität Wien tätig und unterrichtet im Masterstudium Gender Studies.

 

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