Autor: Hakan Gürses

Die Ferne

Es ist ein schöner Tag, Freude liegt in der Luft. Alles riecht nach Freiheit und Seelenruhe. Ich kaufe die Zeitung, schlage sie auf. Schatten treten ein, mitten in der eisigen Nacht. Sie scheinen selbst vereist zu sein, so unbeweglich sind sie und dunkel. Zwei Raubvögel kreisen über meinem Kopf, sie sehen hungrig aus. Ich staune, denn ich habe keine Angst. Sie fliegen kopfüber herab und nehmen vor...

buchstabieren - imblog beitrag von hakan gürses juli2018

Buchstabieren oder Von der Kunst der Gemeinheit

Es gibt Dinge, die so nerven, dass sie schon strukturell sind. Oder gerade deswegen nerven sie. Das ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen dem Rassismus der Leute und dem strukturellen Rassismus. Rassismus der Leute hat oft mit schlechter Erziehung zu tun, viel mit Willen zur Herrschaft, dem Wunsch nach Durchsetzung eigener Interessen, gelegentlich mit Bildungsferne, wie man sagt, und der schädlichen Weltanschauung der Leute. Nicht ganz...

ja_nein

Strategie der Polarisierung und Double-bind-Effekt

Es ist schon wieder passiert. Seit die türkisblaue Regierung die Geschicke dieses Landes von so ziemlich rechts aus zu bestimmen sucht, passiert es eigentlich Woche für Woche. Zunächst war es das Verbot zum Rauchverbot, dann die traditionsreichen Gesangsvereine der am Gesicht geschmissenen Burschenschafter, anschließend die Streichung der Kinderbeihilfe für Nicht-Österreicher_innen, Kürzung des Integrationsbudgets, Zerschlagung der AUVA (die Liste ist ostentativ unvollständig), und jetzt ist es wieder passiert:...

newsreader

LAUBSTURM. Schlagende Zeilen aus vergilbten Blättern 2

Skandal: Briten vereiteln Rede Österreichers Wenn es so weitergeht, ist es vorbei mit den demokratischen Werten! Der österreichische politische Aktivist Martin S. (29), nebenberuflich bei der Menschenrechtsorganisation IBÖ (Identitäre Bewegung Österreichs) und hauptberuflich als Student tätig, wurde am 9. März 2018 am Flughafen London-Luton festgenommen: Laut dem britischen Ableger Generation Identity wurde Sellner bei seiner Einreise am Freitag am Flughafen London-Luton festgenommen. Die Einreise soll ihm von...

I bims: 1 Jahresvorschau, 1 Regierung und 1 Jubiläum

Das Jugendwort des Jahres 2017 lautet: I bims. Mit ähnlicher Egozentrik betrat auch das Jahr 2018 die Bühne der Geschichte, als wollte es uns sagen: Die Achterjahre haben’s in sich, I bims. Ihr werdet euch noch wundern, was alles bei mir möglich ist. So sage auch ich: Hallo, I bims wieder. Ich hatte das letzte Jahr heimgeschickt und eröffne dieses, vong Blog her (auch so ein Jugendsprachdings)....

Vorweihnachtlicher Jahresrückblick in der U-Bahn oder: Werte stehen hoch im Kurs

Ich habe ein sehr einfaches Gemüt. Sieht man von meinen Angststörungen und den dadurch verursachten psychosomatischen Beschwerden ab, die ihrerseits mitunter sehr komplexe Stimmungsschwankungen nach sich ziehen können, bin ich ein offenes Kinderbuch in leichter Sprache. Die Tatsache seelischer Bescheidenheit (O sancta simplicitas!) drückt sich in meinem Fall im jährlichen Rückblickkonsum aus. Immer wenn Kälte die Mitbürger_innen auf die Straße treibt, damit sie durch heftiges Punschtrinken einerseits...

geflüchtete im mittelmeer

Farbenlehre in der Wahlkabine. Zur Nationalratswahl 2017

Wieder Nationalratswahl also. Diesmal ist sie, wie es offiziell heißt, außerordentlich und vorgeschoben. In der Tat! Außerordentlich, da ich mich an kein größeres Medienspektakel erinnern kann, das je im Zusammenhang mit Wahlen veranstaltet wurde. Täglich gibt es gefühlte achtzig Fernsehduelle auf jedem österreichischen Kanal. Ich gehe Nacht für Nacht von Elefanten zertrampelt ins Bett. Vorgeschoben, weil wir im riesigen Schatten des Wahlkampfes alle anderen Sorgen und Freuden...

Ein postmigrantisches Theater des Verlernens probt – oder: Die Wiener Festwochen 2017 sind vorbei

Theatermanager, Schauspieler und Tänzerin im Proberaum. Der Theatermacher und die Dramaturgin treten links ein; er trägt ein Gemälde mit sich, so, dass es für alle Anwesenden sichtbar ist. Theatermacher: Mich macht das alles krank, sage ich. Ich werde auswandern. Wir alle sollten auswandern. Dramaturgin: Ich bin ja schon einmal ausgewandert, weshalb ich hier eingewandert bin. Theatermacher: Man kann eben noch einmal auswandern, wenn man merkt, man ist...

friedhofsrose auf rhodos

Das kleine Reisetagebuch oder Vom Zugehören

Nun bin ich also auf Rhodos. Der Name zerrt seit Kindheit märchenhafte Bilder vor mein geistiges Auge: Breite kopfsteingepflasterte Gassen – umsäumt von Rosensträuchern und Zypressen –, in denen kleine Gruppen von dunkelhaarigen Männern in Leinenanzügen und jungen Frauen in knielangen Kleidern lachend umherschweben. Eigentlich ist es nur eine junge Frau, nämlich die Mutter von Serdar, meines Freundes seit der Volksschule, die da lacht und zum duftenden...